Mittwoch, 27. November 2013

MGM Vashi

Wenn es uns im MGM Kamothe zu langweilig wird, haben wir sein Neuem die Moeglichkeit unser Praktikum im MGM Vashi fortzusetzen. MGM Vashi ist eine Privatklinik in unserem Nachbarort. Super, hier brauchen wir nicht mehr eine Stunde um hinzukommen sondern nur noch ca 10 Miuten mit der Rikshaw.



Das es eine Privatklinik ist kann man schon von aussen erkennen. Dieses Krankenhaus schaut nobler aus als das oeffentliche in Kamothe.










Wenn wir in unsere Abteilung rein wollen, kreischt jedesmal eine Wachfrau rum, dass wir unsere Schuhe ausziehen sollen. Gewoehnungsbeduerftig! Allerdings werden Schuhe fast immer ausgezogen wenn man ein Haus, Geschaeft etc. betritt. Aber im Krankenhaus haetten wir dann doch nicht damit gerechnet...


Jedenfalls arbeiten wir mit einer jungen Psychologin zuammen: Dr. Kamini. Sie ist sehr jung aber, wie so viele Inder, strebsam und kompetent.
Sie arbeitet hier drei Mal die Woche in der Klinik, doziert und arbeitet fuer Aerzte ohne Grenzen (und hier haben wir mal wieder tolle Inspiration bekommen... das waere was fuer uns!!!)


Dr. Kamini




Letztens kam eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter. Das Maedchen hatte Lernprobleme und es sollte festgestellt werden woran das liegen koennte, u.a. mithilfe einen IQ-Tests: Der Wechsler Intelligenztest fuer Kinder. Ich fand dass der Test richtig Laune machte.

Nach der Auswertung wurde die Mutter zum Gespraech geladen. Sie kam mit dem besagten Maedchen sowie dessen kleine Schwester. Der IQ des Kindes ist top, allerdings liegt das Problem am Verhalten, sie ist undiszipliniert, kann nicht ruhig bleiben und macht nur Quatsch. Das sie Quatsch macht mussten wir am eigenen Leib erfahren: Fuer die Beratung der Mutter wurden die Kinder rausgeschickt. Dr. Kamini klaerte die Mutter auf, Mirco und ich hatten freie Sicht auf die Glastuer... und auf die Kinder. Die Kinder hatten das Talent sich an die Scheibe fest zu saugen und das Gesicht platt zu druecken, ausserdem konnten sie den Trick mit dem lustigen Treppen-Runter-Gehen (wo gar keine sind). Leider stossen wir bei so einem Anblick auf unsere Professionalitaets- Grenzen... Waehrend Dr. Kamini und die Mutter sich weiter unterhielten (und uns dezent ignorierten), mussten wir gegen unpassende Lachanfaelle kaempfen. Mircos Kopf verfaerbte sich zunehmens dunkelrot, spaeter erzaehlte er mir, er habe sich die ganze Zeit in das Ohrlaeppchen gekniffen um nicht laut los zu prusten. Ich versuchte krampfhaft an einen traurig aussehenden Strassenhund zu denken. Das Bloede war, die Kinder bemerkten natuerlich unsere Reaktion und das wirkt (wie ja bekannt ist) verstaerkend.

Dr. Kamini ignorierte den Faux-Pas gottseidank....





Montag, 25. November 2013

Marktbesuch in Old-Colaba

Vor Kurzem waren wir mit Funni wieder mal in Colaba und sind dort ueber einen schoenen, typisch indischen Markt gestolpert. War richtig nett!

 Ein Messerschleifer radelt wie bloed um seinen Wetzstein zum Drehen zu bringen.
Hier hat mir Mirco ein kleines Taschenmesser gekauft, das hab ich jetzt immer in meiner Tasche... man weiss ja nie...



















 Ich bei einem, wo auch sonst, Schmuckstand...



















 Das sind so merkwuerdige Dinge die man hier in Indien kaufen kann. Diese schwarzen Knollen hatten wir vorher noch nie gesehen und deshalb gleich mal eine probiert. Schmeckte nussig.
Eine Tuete voll mit diesem merkwuerdigen Zeug haben wir dann fuer Zuhause gekauft (natuerlich hat uns die Marktfrau ueber den Tisch gezogen und dann sind sie uns zuhause nach nur einem Tag vergammelt).
Nach Recherche wissen wir auch nun was es ist: Wasserkastanie oder Wassernuss heisst diese Knolle (ist aber keine Kastanie). Ein bisschen gruselig ist, dass man aufpassen muss wenn man sie roh nascht, denn an der Oberflaeche der Wasserkastanie lauern die Larven des Riesendarmegels und wenn man sich so einen einfaengt macht das keinen Spass mehr... Jedenfalls haben wir das erst nach dem Rohverzerr der Wasserkastanie rausgefunden :-( Aber noch gehts uns gut!


Noch mehr exotische Leckereien...






















 Funni mit einem Haehnchen-Schlachter. Die armen Tiere...  Muessen immer life dabei sein wenn ihre Kollegen gerupft und auseinander genommen werden :-(





 Zwei gut gelaunte Marktfrauen




















Mirco, mal wieder, beim Chai trinken.
















Ich hab mal wieder einen Knirps in die Hand gedrueckt bekommen fuer Fotos.
Manche Menschen hier glauben daran, dass wenn sie (oder eben ihre Kinder) mit einem "reichen Weissen" auf einem Foto verewigt werden, der Reichtum des Weissbrotes auf sie uebergeht.

Andere Menschen wiederum glauben, dass beim Fotografieren ihre Seele eingefangen wird und moegen deshalb ueberhaupt nicht auf Fotos.

Jetzt wird er zwar reich, aber ich hab seine Seele ...
















 Die obligatorische Kuh darf natuerlich nicht fehlen!!





 Knoblauchstand mit grosser Auswahl...

... jetzt habt ihr auch schon eine Vorstellung wie wir riechen, wenn wir zurueckkommen ...





Abends waren wir dann noch lecker essen





Ziegenmutti mit Kinderschar



Ein kleiner Traum von mir ist am abend dann noch wahr geworden: Ein Baby-Zicklein im Arm zu halten :-)
Ich weiss, etwas merkwuerdiger Traum aber ich fands super!
Das Kleine war relativ frisch (noch die Nabelschnur dran) und sooo suess! Er war voellig gechillt und hat es sich bei mir bequem gemacht.Und verschmust war er auch, fand es klasse wenn Mirco oder Fanni sein Kopp gekrault haben.
Funni wollte den Kleinen auch mal halten, hatte aber beim Hochnehmen verstehentlich ihren Finger beim Kleinen im Hintern  und hat ihn dann leider ganz schnell wieder abgesetzt :-(


























Freitag, 22. November 2013

Unser Viertel

Als wir vor einigen Wochen hier her gezogen sind, hatte ich geschrieben dass es in der Wohnung "auszuhalten sei". Das muss ich revidieren. Wir haben uns so toll hier eingelebt und lieben unsere kleine Wohnung (mit allen ihren Mitbewohnern, inklusive Funni, hehe) und das Viertel in dem wir wohnen.

Hinterhof




















Wir empfinden die Wohnung mittlerweile als wirklich kuschelig, freuen uns wenn wir unsere Watchmen sehen und haben auch den Rest der Strasse lieb gewonnen.

Hier eine kleine Vorstellrunde:

Das hier ist einer der Watchmen. Insgesamt gibt es ein halbes Duzend. Einer sitzt immer vor der Haustuer (Tag und Nacht) und guckt das keiner reinkommt der nicht rein gehoert, oder haelt auch einfach ein Nickerchen. Wenn unser Stromverbrauch mal wieder die Sicherung rausgeschmissen hatte, sorgten sie wieder für Strom, aber eines Tages kam dann doch die Bakschischmentalitaet hervor. Zum Glueck hat Mirco in dem Kabelgewirr unsere Sicherung entdeckt. Seitdem nickt er immer nur muerrisch wenn Mirco an den Kasten geht.

Mircos Lieblingswachmann, ein trolliger Opi dem er ab und an mal Schokolade mitbringt, hat wohl gedacht an Diwali gibts ne extra Portion und ist weit über Diwali hinaus immer wieder aufgesprungen wenn er uns gesehen hat ... "Happy Diwali, Happy Diwali, 100 Rupee" und hat uns angestrahlt.









Das hier ist unser Geschaeft in dem wir meistens einkaufen gehen. Hier holen wir unser Wasser, Milch, Fruehstueck und Mirco seine Schockolade.






























Mein Gemueseladen. Ich kann es nicht lassen hier frisches Gemuese zu kaufen und roh zu essen. Am liebsten mache ich nur einen Tomaten-Gurken-Paprika-Salat. Scheiss auf die Empfehlung: cook it, peel it or forget it!!!









Wohlfühloase
Das ist unser Internetcafe in dem wir unseren Blog erweitern















und das der gechillte Besitzer



















Hier unsere Laundry-Boys. Das meiste waschen wir selbst, aber Mircos weisse Hemden muessen glatt sein. Flecken sind hier nicht so schlimm, lassen sich sowieso nicht vermeiden, doch knittrige Kleidung ist verpoehnt. In dem Laden sieht es echt immer ganz gemuetlich aus. Oefter liegt einer der Jungs einfach mitten im Laden und pennt, ein anderer ist wohl ein grosser Liebhaber der Betel Nuss (der symphatische Mann ganz rechts im Bild).





Falls sich jemand fuer die Betelnuss interessiert:
Die Nuss waechst an der Betelpalme und verursacht beim Konsumieren (wörtlich laut Wikipedia) vermehrten Speichelfluss und Wohlbefinden. Dämpft aber auch den Appetit. Wirkt wohl ähnlich wie Alkohol.
Hier ein Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Betelnusspalme


Das ist ein kleiner Schnellimbiss (inklusive Heimlieferservice) direkt gegenueber unserer Wohnung. Hier haben wir oefter mal einen schnellen, guenstigen Snack.


Donnerstag, 21. November 2013

noch mehr aus der psychiatrischen Abteilung..


Letzte Woche ging es heiss her. Es schien als haette sich eine Zurechtweisung auf hoechster Ebene so langsam die Hierarchieleiter nach unten gearbeitet. Wir hatte die Ehre auf mehreren Stationen life dabei zu sein, wenn sich jemand seinen Anschiss abholte.

Hierarchien sind hier immer noch voll im Trend. Kasten spielen in Unternehmen oder Krankenhaeusern, zumindest hier im Raum Mumbai, keine Rolle aber das hierarchische Denken ist allgegenwaertig. Mal mehr bei denen mit Macht und mal mehr bei denen ohne Macht. So haelt bspw. Dr.Rakesh, Head of the department, das Aufspingen wenn er das Zimmer betritt fuer "the wrong way to show respect", andere wieder finden das ganz nett, schliesslich sind sie selbst lange genug gesprungen. Sei's drum, die Studenten und andere Angestellte lassen es sich sowieso nicht nehmen blitzartig die aufrechte Koerperhaltung einzunehmen, egal wie eindringlich sie aufgefordert werden sitzen zu bleiben. Da hilft hoechsten die Verlagerung des Koerpegewichts des Chef auf die Schultern dessen, der da gerade wieder dabei ist einen Blitzstart einzulegen. Unfaehig aufzustehen fuehlt sich dieser dann aber gar nicht wohl da unten und der unabdinbare Drang doch noch zu springen steht im ins Gesicht geschrieben.
Am Anfang haben wir versucht nach dem Motto "Tu in Rom was Roemer tun" auch mit aufzuspringen wenn der Boss die Tuer rein kommt. Aber nach einigen Verpassern unsererseit haben wir dann doch resigniert und bleiben nun, wie die Bosse selbst (hehe) einfach sitzen. Ist besser als immer verspaetet und als Letzter aufzustehen.

Der grosse Respekt vor den Vorgesetzten schuetzt den Chef aber nicht davor, dass ihm ein Student, nach dem Verzehr von ein paar Keksen, zaertlich die Kruemmel aus dem Bart pickt. Wer sichs traut kann es ja mal bei seinem Chef probieren...
Hier denkt man sich einfach nichts dabei. Der bei uns Westlern beliebte Radius von einem Meter, den man gerne eingehalten sieht, den gibt es hier nicht.

So ist es auch normal das Koerperkontakt da besteht wo wir Westler ihn nicht gewohnt sind. Haendchenhalten zum Beispiel ist hier unter Maennern Volkssport. Hier halten alle Haendchen, Freunde, Wachmaenner usw. Man muss nicht lange warten, dann kommen wieder zwei eng umschlungen an einem vorbei flaniert. Auch beim Schwaezchen halten, da legt der eine dem anderen die Hand aufs Bein, legt den Arm um die Schultern. Freundschaften wirken insgesamt viel intimer. So ist es auch nicht selten, dass Patienten zur psychologischen Konsultation mit ihrem besten Freund kommen (das nenn ich mal Vertrauen!). Dies ist aber auch leider eine Konsequenz davon, dass Maenner und Frauen meist nicht so dicke sind. Es wird ja schliesslich mehrheitlich geheiratet, wen die Familie auserkoren hat und nicht der Kanditat, mit dem man so toll ueber alles reden kann ...

Maennerfreundschaft in Indien (Foto haben wir aus google, ist aber trotzdem scheen!)

So, zurueck zur psychiatrischen Abteilung: Insgesamt gibt es hier vier Psychiater, zwei Psychologen, den Chef und viele Studenten, die hier waehrend ihres Masters arbeiten.

Das hier ist ein Teil der Crew: Drei der Psychiater und der Big Boss Dr. Rakesh (der Herr in der Mitte).


Dr. Rakesh arbeitet neben dem MGM Kamothe noch in einer Privatklinik (MGM Vashi), hat zusaetzlich noch seine eigene Praxis und unterrichtet als Professor - er ist also gut beschaeftigt!!


Uebrigens ist MGM die Abkuerzung fuer: Mahatma Gandhi Mission. 
Mahatma Gandhis Mission lautete:  “DELIVERING VISION THROUGH VALUES"




Manchmal haben wir die Moeglichkeit, die Psychiater mit auf die Intensivstation zu begleiten. Mirco wird es dort immer ganz anders und er mag die Besuche nicht so gerne wie ich...
Dort liegen haeufig Patienten mit Gehirnverletzungen die Verkehrsunfaelle hatten- Grusel!!!

Zu den Verkehrsunfaellen muss ich nochmal kurz was erwaehnen: Im Jahr 2006 gab es ca.106000 Verkehrstote. Kein Wunder, der Verkehr ist der totale Horror. Hier wird rechts und links und auf dem Mittelstreifen ueberholt, die Fahrbahnmarkierungen interessiert hier ueberhaupt keinen, genauso wie Tempolimit, Gurt- oder Helmpflicht (die "Durchsetzungsrate" von Helm- und Gurtpflicht betraegt 2/10). In jedem Taxi suche ich vergeblich nach einem Anschnallgurt, aber den gibt es einfach nicht- noch NIE konnte ich mich anschnallen. Die Leute hier machen ja auch Familienausfluege auf dem Motorrad, das heisst die Eltern fahren mit ihren drei Kindern auf einem Motorrad natuerlich ohne Helm und mit Flipflops. Sieht lustig aus, ist aber nicht mehr lustig fuer die Family, wenn sie von einer Rikshaw umgenietet werden.

Naja, jedenfalls finde ich die Besuche auf den Intensivstationen interessant. Hier wird geschaut was fuer Schaeden die Patienten davongetragen haben und wie die weitere Behandlung verlaufen wird. Die Angehoerigen werden, zumindest im MGM Vashi, dann auch zur Konsultation bei Psychologen geladen. Da wird geklaert wie sie mit der Sitautionen zurechtkommen. Ob sie sich die Verantwortung teilen, damit nicht einer alleine 24 Std beim Patienten bleibt und hinterher selbst zum Patienten wird. Ob es finanzielle Probleme gibt, ob sie Fragen zur Behandlung haben (damit sich sich nicht sorgen oder aufregen usw.). Ich muss sagen die Betreuung der Verwandtschaft ist vorbildlich, wenn auch nicht Standart.


In einem Behandlungsraum im Krankenhaus haben wir eine Elektrokrampftherapie-Vorrichtung entdeckt und waren schwer begeistert! Leider gab es bis jetzt keinen Patienten bei dem wir die Therapie haetten testen koennen (wir geben die Hoffnung nicht auf) aber die Methode ist wirklich interessant.

Man kennt diese Therapieform ja vorallem aus Gruselfilmen, diese Darstellung ist aber wirklich quatsch! Auch in Deutschland wird die Therapieform angewendet, sie ist sogar die erste Wahl bei z.B. wahnhaften Depressionen, schizoaffektiven Psychosen mit depressiven Verstimmungen oder bei Depressionen mit hoher Suizidalitaet.
Die Therapie verlaeuft unter Kurznarkose, Muskelrelaxation, Sauerstoffbeatmung und Zahnschutz. Es werden mit Stromimpulsen ein epileptischer Anfall ausgeloest. Tatsaechlich ist die EKT wirksam und erzielt Effekte, die mit Medikation nicht erreicht werden koennen.



Ansonsten ist die Stimmung in unserer Abteilung immer ziemlich gut (wenn grad keine Anschiss-Woche ist). Wenn mal keine Patienten da sind sitzen die Kollegen gerne zusammen, trinken Kaffee, halten ein Schwaetzchen und zeigen sich gegenseitig Fotos von ihren letzten Ausfluegen.

Hier haben die Kollegen gerade Spass mit Photoshop.
Auf einem Gruppenfoto fehlte eine Kollegin, mit Photoshop wurde sie einfach in das Bild gezaubert (unter viel gekichere und gealbere).






 
 
 















Mittwoch, 20. November 2013

Steffi und der indische Rassehund

Am Mittwoch haben wir Steffi besucht. Steffi ist auch eine Psychologiestudentin und macht auch ein Praktikum im MGM Kamothe. Verwunderlich ist ihr Name, klingt gar nicht indisch. Sie gehoert dem christlichen Glauben an und bis jetzt waren die Christen die wir hier kennengelernt haben ziemlich modern, so auch Steffi.


Steffi wohnt in Vashi, direkt neben unserem Lieblingsrestaurant. Wir sollten sie anrufen wenn wir da sind, damit sie uns zu ihrem Haus leiten kann. Also riefen wir sie, wie abgemacht, bei Ankunft am Restaurant an.
45 Minuten und unzaehlige Telefonate spaeter sammelte sie uns dann doch, gottseidank, persoenlich ein. Ihr Haus liegt nicht direkt neben dem Restaurant, sondern nur 400 Meter weiter, aber das scheint, nach indischem Verstaendnis, direkt nebenan zu sein.


Steffi gehoert zu den wenigen Indern die einen Hund als Haustier halten: Scooby, ein durchgeknallter Cocker Spaniel. Obwohl es in Indien nur so von wunderschoenen Mischlings- Strassenhunden wimmelt, kommen die Inder nicht auf die Idee, so ein Huendchen zu adoptieren- Leider! Meistens sind es ueberfette Rassehunde die ihre Besitzer Gassi fuehren, nicht anders herum. Die Leute haben eine merkwuerdige Angewohnheit wenn sie mit ihrem Hund spazieren gehen: sie nehmen eine Rute mit. Wirklich jeder Inder den wir mit Hund gesehen haben, hat einen Stock dabei, falls Fiffi nicht hoert. Und das tun die Hunde hier wirklich nicht. Mirco hat schon eine super Geschaeftsidee: Hundefluesterer in Indien.

Scooby mischt den ganzen Laden zuhause auf. Oma und Papa von Steffi sind damit beschaeftigt den Hund ruhig zu stellen, obwohl Steffi immer behauptet Scooby sei muede. Auf uns machte Scooby den Eindruck eines ADHS-Patienten.


Scooby mag Resi


Resi freut sich ueber Scoobys Zuneigung


Ausserdem gibts in Steffis Haus auch noch Schildkroeten. Ich war total begeister, die Schildkroeten auch...



Uebrigens ist Steffi eine kleine Kuenstlerin- sie malt mit Oel-Farben. Hier ein Exemplar aus ihrem Fundus:





Samstag, 16. November 2013

Familienbande und ein Curry mit antidepressiver Wirkung


In einem vorherigen Beitrag, hatten wir ja schon die Bedeutung der Familie erwaehnt und dass sich aus dem engen Zusammenleben und der hohen Verantwortung und gegenseitigen Abhaengigkeiten viele zwischenmenschliche Probleme ergeben. Nachdem uns am Anfang also vor allem die Schwierigkeiten des engen Familienlebens ins Auge gestochen sind, werden nun auch die Vorteile evident. 

Familienbande


Auf der Strasse ist weggucken und "Fuenfe gerade sein lassen" ganz gross angesagt, dem engen Kreis der Familie, Nachbarn und Freunde hingegen fuehlt man sich sehr verpflichtet. Kommt man nach einem Schlaganfall nicht mehr alleine zurecht, besorgen die Nachbarn was zu Essen und fuettern einen, die Kinder schleppen den psychotischen Onkel zum Arzt und der beste Freund kommt mit zum Psychiater. Vielleicht ein bisschen idealisiert, aber der Trend ist zu erkennen.

Ein Vorteil, der sich fuer Psychiater und andere Aezte daraus ergibt, ist, dass sie sich bei der Anamnese oder anderen Patientengespraechen nicht alleine auf den Patienten verlassen muessen. Denn dieser nimmt natuerlich seine Medikamente regelmaessig, hat aufgehoert zu trinken und seine Kinder schlaegt er auch nicht mehr, seit dem er jeden Abend strikt seine Entspannungsuebungen macht. Ein weiterer Vorteil, und jetzt begebe ich mich menschenrechtlich auf duennes Eis, ist, dass Patienten, in der Mehrzahl Demenzpatienten, Patienten mit Schizophrenie und Bipolarer Stoerung, die Ihre Medikamente nicht nehmen wollen, diese einfach unter das Essen gemischt bekommen. Dies funktioniert vor allem bei den maennlichen Patienten gut, da es ja die Frau ist, die hier kocht. 

Menschenrechtlich ist das natuerlich nicht korrekt ... andererseits gibt es dafuer weniger Zwangseinweisungen. Und die bei uns ueblichen Fixierungen und Zwangsmedikationen mittels Depotspritze machen auf mich ebenfalls nicht den Eindruck, dass sie Menschrechtler zum froehlichen Tanzen bringen. Das eine ist eine offene, rechtlich legitimierte Gewaltausuebung durch Institutionen nach Beschluss durch eine qualifizierte Fachkraft, das andere eine verdeckte Verletzung der Selbstbestimmung. Wer hier was fuer richiger haelt muss jeder selbst wissen. Sollte ich mich irgendwann einmal in einer manischen Episode mit psychotischen Symptomen befinden und mich weigern Medikamente zu nehmen, weil ja alle anderen krank sind und nicht ich, waere es mir aus heutiger Perspektive auf jeden Fall lieber, Resi broeselt mir was unter das Essen, als dass mich Igor ans Bett knebelt und intravenoes ruhig stellt.









Freitag, 15. November 2013

Fanni's Slum

Seit letzten Mittwoch haben wir eine neue Mitbewohnerin, mit der wir nun unsere 2-Zimmer-Wohnung teilen ...

Eigentlich sollte sie schon Dienstag anreisen, hatte aber ihren Anschlussflug verpasst und musste eine Nacht auf dem istambuler Flughafen verbringen. Resi war dankbar hierfuer. Denn am Montag hatte sie sich etwas "ueberfressen" und lag Dienstag dann das erste Mal mit Bauchkraempfen und alles was so dazu gehoert flach. Da ist man schon froh sich nicht das Klo mit jemand Fremden teilen zu muessen...

Zurueck zur Mitbewohnerin: Fanni, 23 Jahre alt, aus Potsdam, eigentlich Kosmetkerin. Hier macht sie Freiwilligenarbeit in einem kleinen Slum.

Funni kocht in unserer Kueche

Sie ist total lieb und wir sind froh sie als Mitbewohnerin zu haben.


Am Mittwoch haben wir sie dann zum Slum begleitet. Also besser gesagt, wir haben sie mit einer Rikshaw eingesammelt, nachdem sie 3,5 Stunden versucht hat, den Slum zu Fuss zu finden...

Der Slum ist wirklich winzig und man koennte fast sagen idyllisch am Hang gelegen (wenn es eben kein "Slum" waere).





 
Eine NGO unterstuetzt mit Hilfe des Rotari-Clubs die Bewohner und ermoeglicht ihnen die Schule zu besuchen.

Als wir die ersten Schritte durch das Tor gingen, kam eine Horde kreischender Kinder auf uns zugerannt. Wir haben erstmal einen Schrecken bekommen, die Kinder waren aber freundlich gesinnt. Sie nahmen erst Funni total in Beschlag (sie ist mit einem Pulk von Kindern um sich herum vor uns her gestolpert), und danach uns. Also hatte dann jeder einen Haufen Kinder an den Haenden.






Funni singt mit ein paar Kindern
Wir wurden zu einer kleinen Huette gefuehrt, in der es nichts gab, ausser ein paar Plastikhocker. Die Kinder versammelten sich alle um Fanni und sangen dann mit ihr gemeinsam Lieder.

Funni kann ein bisschen Hindi sprechen (und singen), so kann sie sich ganz gut mit den Kindern verstaendigen und beschaeftigen.

Wir lehnten uns zurueck und genossen die ganze Performance.













Danach haben uns die Kinder noch ein wenig durch ihr Dorf gefuehrt. Sie waren wirklich goldig und nett!! Leider sprechen nur ein paar wenige Kinder Englisch und das mehr schlecht als recht, sonst haette ich gerne mehr ueber sie und das Leben hier erfahren.