Freitag, 15. November 2013

Nightlife

Hier in Mumbai kann man wunderbar ausgehen. Eigentlich hatte ich die alberne Hoffnung, dass das Nachtleben wie in den Bollywood-Tanzszenen aussieht, diese Locations haben wir allerdings bis jetzt nicht gefunden. Also, die Clubs in denen wir gelandet sind, sind aehnlich wie bei uns- machen aber Spass!

Eine sehr schoene Adresse ist das "Aer" im Stadtteil Worli. Der Club befindet sich im 34. Stock des Four Seasons Hotels. Zu Gast ist hier groesstenteils internationales Publikum. Die Preise sind entspraechend hoch, ein Flaeschchen Bier ca. 6 Euro, Zuhause vorzugluehen ist also nicht die schlechteste Idee.


mit dem Fahrstuhl in den 34. Stock

 Der Himmel war leider nicht so lila wie wir nach Betrachten des Werbefotos gedacht hatten, aber der Ausblick war trotxdem einfach nur Woohhoow!!! Auf der einen Seite die Aussicht ueber Mumbai (je nach Wetterlage und Smog) und auf der anderen Seite aufs Meer (je nach Tageszeit).

Hier ein wunderbares Werbefoto

Das abgefahrene an diesem Ausschnitt der Skyline ist, dass sie nur ein absolut winzigen Teil der Stadt abbildet. Und da hier unter 15 Stockwerken gar nichts mehr gebaut wird und das meiste weit hoeher ist, ist die Skyline allgegenwaertig. Es ist gar kein Problem 2 Stunden in eine Richtung zu fahren ohne drauf verzichten zu muessen.




Ein anderer, eher lockerer Club, ist das "Bonobo" in Bandra. Der Kontrast von drinnen und draussen ist krass. Draussen schlafen die Leute auf dem Buergersteig und die Kleinsten betteln. Kaum steigt man aber in den Fahrstuhl zum Club, befindet man sich wieder in einer ganz anderen Welt. Nichts mehr zu sehen, von dem was da draussen vor sich geht, alles ist sauber und schick. Krass ist, wie schnell man umschaltet, in einen Moment noch betroffen und im naechsten damit beschaeftigt einen Cocktail auszusuchen...



Also im Club: Hier lief echt gute Musik. Wir bestellten Cocktails: ich war mutig und testete einen "Jalapeno-Oliven-Martini"... das war leider nicht die beste Wahl... Es schmeckte, als wurde der Martini mit scharfen Olivenwasser aufgefuellt...
Resi versucht sich am Jalapeno-Oliven-Maritini


Mirco bestellte Long Island Icetea, der bestand aber zu 75% aus Eiswuerfel. Mirco war schlau und bestellte sich den naechsten mit nur EINEM Eiswuerfel .. leider kam das Glas dann nur halbvoll...

Im Bonobo lernten wir sehr nette Franzosen kennen. Die drei Jungs arbeiten in einem franzoesischen Cafe; das Cafe Marie Antoinette. Sie bleiben voruebergehend fuer ein paar Monate und gehen dann zurueck nach Lyon.

Den einen Franzosen Jean-Baptiste haben wir dann ein paar Tage spaeter in dem Cafe besucht und uns einen koestlichen Cappuchino gegoennt...



Das letzte Wochenende sind wir mit unserer neuen Mitbewohnerin in die "Escobar" gefahren. Drinnen droehnte die Musik mit gefuehlten 135 dB, alle waren fleissig am Tanzen und Trinken, Konservativ musste draussen bleiben. Grossgewachsene, muskuloese Bollywoodanwaerter, wurden von kreischenden Frauen umringt und posierten ununterbrochen. Neureiche und Jene die ihr Monatsgehalt auf den Kopf hauen um so zu wirken, hingen in abgesperrten Lounges mit weissen Lederbezuegen rum und versuchten Frauen mit Drinks zu sich in den VIP-Bereich zu locken. Hier war wirklich nix mehr vom konservativen oder spirituellen Indien zu spueren, nach dem die meisten Touris hier suchen um ihre Klischees bestaetigt zu bekommen.


Manche Frauen hatten mega-knappe Roecke an und waren am Rauchen. Sowas sieht man normalerweise nie in Indien.

Der Club hat aber total Spass gemacht, wir haben die ganze Nacht getanzt und haben mal wieder Franzosen kennen gelernt (arbeiten in einer Bank).

Ausserdem wurden wir von ein paar netten Indern zu Drinks eingeladen, und noch mehr versuchten uns in die abgesperrten Bereiche einzuladen. Um der wahrscheinlichen Baggeroffensive zu entgehen haben wir aber abgelehnt.































Samstag, 9. November 2013

Mahalaxmi Dhobi Ghat und Banganga Tank

Am Sonntag haben wir mal wieder einen Ausflug nach Mumbai gemacht. Mumbai ist ja so gross, da braucht man echt Wochen um alles Interessante zu entdecken...

Eigentlich hatten wir vor ein paar Ziele von unserer "Das-muessen-wir-gesehen-haben-Liste" zu streichen, hatten aber schon vorher weise Zweifel ob das zu schaffen sein wird. Vor allem kommt andauernd wieder was hinzu.

Also Sonntag ... Wir wollten mit dem Zug kurz nach Mumbai reinfahren um uns von dort eine Rickshaw zu nehmen, die kurze Zugfahrt hat aber leider mit Umsteigen gute 2 Stunden gedauert. Weiss auch nicht... irgendwie braucht man hier fuer alles laenger. Distanz, Orientierung und Koordination sind da die Stichwoerter. Verheerend ist auch wenn man von eienr topografischen Darstellung der Karte des Eisenbahnnetzes ausgeht. Soll heissen, nur weil auf der Karte zwei Linien parallel nach unten verlaufen, heisst das noch lange nicht, dass sie das auch tatsaechlich tun, es koennte auch sein, dass eine nach Osten und die andere nach Norden verlaeuft. Der moechtegern ausgekluegelte Plan, wie wir am schnellsten ankommen, fuehrte uns dann also erst mal 45 Min in die komplett falsche Richtung, 45 Minuten um ungefaehr wieder da anzukommen wo es losging und noch mal eine halbe Stunde um dann endlich anzukommen wo wir urspruenglich hinwollten. Gewusst wie ...



Als wir endlich an unserem Zielort ankamen, nahm uns gleich ein netter Herr in Empfang. Der wusste wohl, dass die meisten Auslaender nicht in der Lage sind, die optisch gleichen Wagen erster und zweiter Klasse auseinander zu halten. So war es dann auch, dass wir nicht die einzigen Auslaender im Buero vom Chief Ticket Inspector waren. Wir waren auch nicht die einzigen die das ganz schoen schraeg fanden, nur so schoen rumgeschrien wie die anderen haben wir nicht. Eine anderes Paerchen und ein anderer Fahrkartenkontrolleur haben sich gegenseitig angeschrien, dass jeweils der eine aufhoeren soll den anderen anzuschreien ("don't raise your voice" ... "don't raise YOUR voice" ... usw.).

Die Beteuerung unserer Unkenntnis liess unseren Inspector leider kalt und er forderte umgerechnet 8 EURO fuer die unrechtmaessige Nutzung der 1. Klasse (wo wir hierfuer wunderbar drei Mal essen gehen koennten). Wir zogen es kurz in Erwaegung wegzulaufen, verwarfen diese Idee dann aber schnell, denn der "Big Boss" (so wurde er tatsaechlich von den Inspectoren genannt) war vermutlich der Zwillingsbruder von dem hier:

Big Boss der Railwaystation Dadar

 
Also zogen wir unseren Joker, Sudipta, unser "Coordinator". Geschickt wie sie ist, handelte sie den Inspector auf die Haelfte runter Wir zahlten und durften gehen!








Unser erstes Ziel war der Mahalaxmi Dhobi Ghat.
Das ist der weltgroesste "Open-Air-Waschsalon" in dem Mumbais Waesche (vorallem Hotel- und Krankenhauswaesche) von den sogenannten "Dhobis" gewaschen wird.



Der Waschsalon


Dhobis sind die Kaster der Waescher. Das Waschen gilt als unrein und somit gehoeren die Dhobis der unteren Kaste an (obwohl ja offiziell seit 1949 das Kastensystem abgeschafft wurde...).

Die Waesche wird in solchen steinigen Waschbassins, die reihenweise angeordnet sind, gewaschen. Wir sind dann mal ganz mutig ist diese merkwuerdige Welt reingedappt. Die Gassen sind sind mini-winzig und die Menschen sind emsig am arbeiten oder erholen sich vom emsigen Arbeiten. Die Leute wohnen auch dort, wie in einer eigenen kleinen Kommune (man konnte ab- und zu in eine der Haeuschen bzw. Zimmer mit Dach lunzen) Fotografieren darf man drinnen nicht, wir haben aber von oben ein paar Bilder gemacht.



Ein Dhobi waescht sich selbst


























Vor dem Mahalaxmi Dhobi Ghat konnten wir dann noch einer kleinen Performance zuschauen: eine sehr junge Seiltaenzerin (mit  Sonnenbrille...) die bestimmt ihren Traum der Seilartistin verwirklicht.






















Danach sind wir ueber einen Markt gestolpert. Viele der netten Herren waren damit beschaeftigt Ziegen, d.h. den Koepfen von Ziegen, das Fell ueber die Ohren zu ziehen. Nicht unbedingt der Superlativ der Aesthetik aber auf jeden Fall interessant zuzuschauen, zumindest fuer einen von uns beiden :-)


Wuergh...
Neben den Ziegenkoepfen und Huehnern und sonstigen Leckereien gab es noch einen Fischstand mit einer Badewanne voller welsartiger Geschoepfe und sonstigen Gefisch.

arme Fischis


Wir verzichten hier in Mumbai uebrigens lieber auf Fisch, spaetestens seit dem wir gesehen haben in welchen Kloaken hier ueberall gefischt wird. Von Mumbai nach Neu Mumbai faehrt man ueber die Vashi-Bridge die beide Staedte verbindet.. Leider ist die Bruecke zu lang, um die Luft den ganzen Weg ueber anzuhalten, denn die Bruehe da unten stinkt zur Hoelle, mal mehr und mal weniger bestialisch aber immer bestialisch. Nun ja, und da unten fahren dann kleine Boetchen lang und fangen die Surviver of the Fittest ein. Wie Fit man sein muss, damit man den Langzeitfischverzehr ohne gesundheitsschaeden ueberlebt und ob das ueberhaupt geht, darueber kann ich nur spekulieren.

ups ich schweife ab ...

also Sonntag - Ausflug - Mumbai

Nach der grossen Waschmachine sind wir dann weiter zu den reichen und schoenen in die Malaba Hills gefahren und haben den Bangangatank besichtigt, dieser ist Teil des Walkeshwar Temple Komplexes (Danke Wikipedia)






Mischung aus Badespass und ritueller Reinigung
























 
  
  
Der Legende nach, ist das Wasser in dem Becken aus dem Ganges: Gott Rama war furchtbar muede und durstig und bat deshalb seinen Halbbruder Lakshmana um etwas Wasser. Lakshmana schoss einen Pfeil in den Boden und sofort sprudelte Wasser aus dem Einschussloch und somit entstand ein ueber tausend Meilen langer Nebenfluss des Ganges. 

Jetzt wissen wir auch warum "Banganga Tank": Baan = Pfeil, Ganga = Ganges 






Waehrend unseren Rundgangs um den Tank, trafen wir auf einem Spielpatz auf eine Horde Kinder, die versuchten uns mit ihren akrobatischen Einlagen an einem Reck zu beeindrucken.

Resi hielt es nicht lange aus und beteiligte sich an den Kuensten, sehr zur Verwunderung der Kinder aber vor allem auch der Nachbarn ...














Danach ging es dann Bandra, das liegt ca. 15 Km noerdlich


Alleine der Weg dorthin war die Fahrt schon Wert. Unser Taxifahrer war sehr engagiert das Cafe zu finden. Also hat er immer wieder angehalten und andere Fahrer oder Passanten gefragt. Die haben sich dann auch einfach mal unser Smartphone (google maps) geschnappt, sind damit ueber die Strasse gedackelt um andere Passanten zu fragen usw.

Das schoenste war aber die Erfahrung, wie schoen es klingen kann wenn ein Inder versucht "Cafe Marie Antoinette" auszusprechen. Als wir unserem Fahrer beim ersten informativen Stop nochmal sagten wie der Laden heisst, hat er sofort, ganz selbstbewusst, einen Pasanten herangepfiffen und nach "Cafe Marieantetet" gefragt und dann ging die Stille Post der Pasantenbefragung los. Schliesslich war unser neues Ziel dann "Cafe Internet".

Also wir dann nach einigen Stops ankamen, war das Cafe leider zu. An Diwali feiern alle zu Hause, daher war wegen Gaestemangel geschlossen, erfuhren wir spaeter.

Also suchten wir uns eine Bar, der Abend wollte ja schliesslich noch nicht enden. So fanden wir uns ploetzlich vor "Totos Garage" wieder. Ein sadistischer indischer Geschaeftsmann hatte hier die Idee, viele gluecklich dreinschauende indische Maenner in orangene Latzhosen zu stecken, damit sie wie Automechaniker aussehen (sollen). Ihren Gesichtern war zu entnehmen, dass sie sich durchaus ueber ihr Erscheinungsbild im Klaren sind. Uns haben sie an Super Mario erinnert. Stattgefunden hat das Ganze in einer Kulisse, die einer typischen Rockerkneipe nachempfunden ist, es hatte eine wenig Tarantino-Flair. Mit das Ueberraschendste war aber: es gab gezapftes Bier, wow, da haette man wahrscheinlich Tage mit Suchen verbringen koennen, gluecklicher Zufallsfund.



Mittwoch, 6. November 2013

Besonderheiten der Psychologie in Indien

So, hier noch ein paar kleine Geschichten und Infos zum Praktikum:


In Indien wird, im Gegensatz zu Deutschland, noch oefter der Rorschachtest, verwendet. Es werden aber keine Urteile alleine aufgrund dieses Tests gemacht, sondern er wird meist als Teil einer ganzen Testbatterie verstanden, quasi als "opener". Meist wird er zusammen mit dem TAT erhoben, aber dazu geich.

Fuer alle Nicht-Psychologen: Der Rorschachtest ist ein "projektiver" Persoenlichkeitstest und ist ziemlich umstritten. Hierbei werden dem Probanden zehn verschiedene Tintenkleckstafeln gezeigt und dieser soll erklaeren was er in dem Bild erkennt. In den USA wird der Test auch noch haeufig benutzt und traegt wichtige Entscheidungen mit, z.B. ob Gewalttaeter freikommen etc.


 Hier zwei Beispiele...
Was erkennt ihr??













Ich war jedenfalls hellauf begeistert als dann tatsaechlich dieser "Kult-Test" bei einer jungen Patientin angewendet wurde... Sie war allerdings selbst Psychologiestudentin  und das hat uns dann doch etwas stutzig gemacht, da sie den Test und die Auswertungsschritte mit Sicherheit kennt. Also wenn die eine Psychopathin gewesen waere, haette sie das mit den "richtigen Antworten" sicher verstecken koennen...



Ein anderer wunderbarer Test ist der TAT (Thematischer Apperzeptionstest) der auch bei dieser Studentin angewendet wurde. Hier werden Bilder gezeigt und der Proband soll zu den Bilder eine Geschichte erzaehlen. Hier ein Beispielbild:

Und das war wirklich sehr interessant (diesen Test kannte die Studentin wohl nicht), denn man konnte direkt erkennen wo ihre Probleme lagen...









Diese Projektiven Verfahren sind halt nicht objektiv was die Auswertung und die Interpretation angeht. Wir finden diese Verfahren aber furchtbar spannend!





Was uns auffaellt bei den Therapiesitzungen ist, dass, anders wie in Deutschland, nicht das Individuum im Mittelpunkt der Therapie steht, sondern die ganze Familienstruktur mit einbezogen wird. Und das nicht nur theoretisch sondern oefter sitzen die Eheleute, Eltern oder Kinder mit in der Therapie und werden auch direkt mit einbezogen.

In einem Fall kam ein Ehepaar zur Therapie weil die Frau vermutete, dass ihr Mann sie mit anderen Frauen betruegt. Der Mann sass die ganze Zeit lachend neben ihr ( er fand das wohl alles so absurd... und ich fand das etwas unpassend) waehrend sie sich immer mehr in Rage redete. Die Therapeuten versuchten die Frau zu beruhigen und schickten sie zum Schluss aus dem Zimmer raus um dem Mann zu erklaeren wie er das ganze nun angehen soll: Dr. Jioschi (der eine Psychotherapeut) fragte den Mann "was kannst du tun, wenn du durch einen Canyion laeufst der von einem grossen Steinbrocken versperrt wird an dem du nicht vorbeilaufen kannst? Nach allerlei raten auch unsererseits kam als Antwort "Du musst wachsen, damit der Steinbrocken klein wird". Der Mann soll lernen mit der "Krankheit" der Frau umzugehen, damit er darueber steht. Wir fanden dieses ansehliche Beispiel sehr schoen von Dr. Joschi, allerding fragten wir uns nun, was, wenn der Mann seine Frau wirklich betruegt und sie sich das gar nicht einbildet. Dr. Joschi meinte nur, dass man das nicht wissen koenne... darum gehe es aber auch nicht, sondern darum, worauf ihre Annahmen basieren (und diese Annahmen hatten wohl weder Hand noch Fuss).

Die Frage danach, ob die beiden ueberhaupt noch zusammen sein wollen (sei es weil er sie betruegt oder weil sie ihm einfach nicht trauen kann oder weil sie ihm grundlos die Hoelle heiss macht und paranoid ist u.s.w. ) wurde ueberhaupt nicht gestellt. Hier merkten wir, dass etwas ganz entscheidend anders laeuft als bei uns in Deutschland: Es kam hier gar nicht in Frage rauszufinden ob das mit den beiden noch passt. Die Ehe muss irgendwie funktionieren!





Ein ganz aehnlicher Fall: eine junge Frau wird von Schwiegermutter beschuldigt fuer dem Tod ihres Schwiegeraters verantwortlich zu sein. Dieser ist am Alkoholismus gestorben. Die junge Frau wollte sich das Leben nehmen, indem sie Gift trank, konnte aber gerettet werden.

Auch hier kam es nicht in Frage in der Therapie einen Umgang mit dem Geschehenen zu finden und es in Betracht zu ziehen sich erstmal von zu Hause zu distanzieren (da sie ja Schuld an dem ganzen Schlamassel haben soll), sondern ihr wurde gesagt, dass sie keine Verantwortung fuer den Tod habe, aber zurueck soll in das Haus ihrer Schwiegermutter. Sie sei in der Verantwortung sich um um die Schwiegermutter zu sorgen. WAAAATT??? (hab ich nur gedacht) 

Wenn sie weinen muesse, solle sie das noch in der Therapiesitzung machen, aber wenn sie den Raum verlasse solle sie stark sein...

Das ist ja mal wirklich ganz was anderes. Aber eine sehr interessante Weise die kulturellen Unterschiede zu erkennen. Hier herrscht das Credo der Joint Family: Die Familie ist die kleinste Einheit des sozialen Gefüges, nicht das Individuum.


Uebrigens ist, laut unserem Chef, die haeufigste Selbstmordmethode hier in Indien Pestizide zu trinken... brrrr!




Das tut jetzt zwar nix zur Sache aber was ich noch loswerden wollte: ein Patient wurde mal nach seinem Musikgeschmack gefragt, er meinte dass er Rock gerne hoere, seine Lieblingsband sei "Tokio Hote".
Klasse!!

Tja, diese verrupften Typen haben es sogar bis nach Indien geschafft und in der GALA war sogar ein Artikel dass sie nach Indien auswandern wollen... oh mein Gott!!! Die armen Inder!

Neeeeeeiiiiiinnnnnn!!!





















Dienstag, 5. November 2013

Schnappschuesse

Nach wie vor fahren wir mit oeffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit und auch in unserer Freizeit nutzen wir meistens Bus und Bahn.
Die Fahrpreise sind extrem guenstig (ca. 20 Cent fuer 10 Km im Bus), der Befindlichkeitspreis ist dafuer ziemlich hoch. Man wird ohne Ende durchgeschuettelt, muss sich oefter ein Tuch schuetzend vors Gesicht halten wegen Staub und Abgase und wird mit Hupkonzerten und Baustellenlaerm zugedroehnt.
Wir sind immer total matsche wenn wir am Ziel ankommen. Nach der Arbeit brauchen wir meistens ein Nickerchen.
Allerdings erlebt man dafuer auch viel. Man bekommt hier das wahre Leben mit und lernt nicht selten den einen oder anderen Einheimischen kennen. Letzte Woche haben wir z.B. die Bekanntschaft mit einer sehr netten jungen Frau gemacht die zur Zeit Franzoesisch lernt. Wir haben Nummern ausgetauscht fuer ein Treffen.


Hier hat Mirco es mit einem sehr anhaenglichen Objekt zu tun.

Im Bus kann es schonmal passieren, dass Jemand Mircos "starke Schulter" als Kopfkissen zu schaetzen weiss um ein Nickerchen zu halten...


Mirco ist sehr begeistert....














Bei diesem Anblick war Mirco voellig hin und weg... ein so tolles Fahrrad mitten in Indien... und dieses Equipment.
Jedenfalls sieht man sowas so gut wie nie hier. Uns hat aber der Radfahrer etwas leid getan bei der Hitze und beschissenen Luft...







Aus dem Taxi aufgenommen







Hier haelt ein Mann seinen Powernap am Mittag.

Mittlerweile staunen wir nicht mehr ueber die Leute, die sich einfach mitten auf den Buergersteig oder auf Verkehrsinseln lang machen und schlafen, waehrend drum rum der Baer steppt.

Letztens lag ein Mann mitten im Kreisverkehr (der hatte aber wohl ein bisschen einen im Tee).










Hier wird brav in der Reihe auf Taxen gewartet. Eigentlich ziemlich unueblich fuer Indien! Inder sind Weltmeister beim Vordraengeln.
Die Erfahrung mussten wir schon bei unserem letzten Indienaufenthalt machen. Zum Beispiel beim Fahrkartenkauf: nach einer halben Stunde warten, fast ist man dran, wenn man sich dann mal kurz umdreht, schluepfen sie an dir vorbei und ploetzlich hast du wieder einen Pulk vor dir...












Mirco steht total auf den Masala Chai, das ist Schwarztee mit Milch, Zucker und einer Gewürzmischung (Gewuerze wie Kardamon, Zimt, Ingwer, Pfefferkoerner, Nelken und Muskat).
Ueberall in der Stadt gibt es diese kleinen Strassenstaende die den Tee anbieten. Ein Glasschen kostet 5 Rupien (umgerechnet ca. vier Cent). Hier nippt Mirco seinen Tee in Mumbai Parel.
Komischerweise sieht man nie Frauen an den Staenden einen Tee trinken... 

Falls ihr mal Lust habt selbst einen Masala Chai zuzubereiten, hier eine Anleitung:


Zutaten für 4 Portionen                                                          

Zubereitung ca. 10 min.                        
  • 6 grüne Kardamomkapseln
  • 2 Gewürznelken
  • 1 Stange Ceylon – Zimt ca. 5 cm
  • 1 TL Anis
  • 1/2 TL Ingwer, feingehackt
  • 4 EL kräftiger Schwarzer Tee, z.B. Ceylon oder Assam
  • 6 Tassen Wasser
  • 4 Tassen Milch
  • Zucker braun oder Honig nach Geschmack
Zubereitung
Das Wasser in einem Topf aufkochen und alle Gewürze hineingeben. Bei geringer Hitze 1 min. köcheln lassen.
Den Tee, Milch und Zucker hinzufügen und erneut aufkochen. Das Getränk etwa 5 min. geschlossen ziehen lassen, danach durch ein feines Sieb in die Kanne umgiessen.
Den Masala Chai können sie auch in größeren Mengen zubereiten und im Sommer auch kalt genießen.








Hier sieht man eine grosse Taubenfutterstelle (und einen Typen dem es Spass macht die Tauben zu erschrecken). Diese Futterstellen haben wir schon ein paar mal in Stadt gesehen, hier gelten die Tauben nicht als Ratten der Luefte. In Delhi gibt es sogar eine Klinik fuer Voegel, wo verletzte Tauben verarztet werden. Hier der Link: http://www.charitybirdshospital.org/gallery.html







Eine oeffentliche Toilette... was tun wenn man dringend muss?
(die meisten Klos's die wir aufsuchen sehen aber besser aus)

Eine wunderbare Erfahrung ist es, wenn man (im Krankenhaus!!) auf Toilette muss (am Vortag zu scharf gegessen) und das Wasser dort abgestellt wurde...

Wenn man durch die Stadt faehrt sieht man oefter Maenner und Kinder die ihre Notdurft direkt an der Strasse verrichten.
Ein Kind hat uns dabei auch schonmal strahlend zugewunken (wir haben netterweise zurueckgewunken).

Sanitaeranlagen sind Mangelwahre und ein Grossteil der Bevoelkerung muss seine Notdurft unter freiem Himmel verrichen.

Klopapier ist meistens unueblich. Zum Hintern-saubern nimmt man die linke Hand. Deshalb ist das die unreine Hand- man sollte nie mit dieser Hand essen, leider vergessen wir das oefter mal wenn wir essen gehen...
In den Toiletten gibt es dafuer ein Eimerchen mit Wasser.
Putzig sind die kleinen Poduschen die man auf den Maerkten kaufen kann- die kann man dann in seine Handtasche packen. Wir haben aber lieber immer Taschentucher im Gepaeck.









Hier haben wir einen Abstecher nach Mumbai Parel gemacht. Wir sind ein bisschen durch die Strassen geschlendert und haben ein wenig eingekauft.







Montag, 4. November 2013

Diwali

Zur Zeit haben wir hier Diwali, das ist ein bedeutendes, fuenftaegiges Festival. Das sogenannte "Lichterfest" kann von der Wichtigekeit mit Weihnachten bei uns verglichen werden. Ueberall ist es bunt, alle Haueser sind mit Lichterketten geschmueckt und wir haben deshalb ein paar Tage frei... yeah!

Das ist bei uns vor der Tuer, die Haeuser sind mit den bunten Lichtern geschmueckt



Fuer uns ist das ganze eine Mischung aus Weihnachten (Geschenke und Lichter), Silvester (Feuerwerk) und Fastnacht (Kinder mit Spielpistolen und Platzpatronen).

Das "Feuerwerk" ist echt krass!! Man kommt sich vor wie im Kriegsgebiet, vorallem wegen den sogenannten "Bomben" (der Name sagt schon alles... ). Die Bomben klingen so als wuerde wirklich irgendwo eine Bombe einschlagen und versetzen Hunde, Tauben und Touris in grossen Schrecken. Das Geballer beginnt morgens gegen 8 Uhr und geht bis ca. 3 Uhr nachts.

Kugelbomben


Total schoen sind die " Kolams", das sind symmetrische Muster die mit gefaerbten Reismehl im Eingangsbereich der Haeuser angefertigt werden. Die Kolams dienen in erster Linie zur Abwehr zerstoererischer Einfluesse.
Ein Kolam bei uns vor der Haustuer






Die Nachbarn lassen es krachen



















Freitag, 1. November 2013

Swagar Dwar


Alles laeuft hier weiterhin wunderbar! Wir arbeiten von Montag bis Samstag und lernen viel!

Am Mittwoch haben wir von der Arbeit aus einen "kleinen Ausflug" gemacht.
In die Psychiatrie des MGM kommen regelmaessig HIV- Patienten zur Konsultation. Die Gruende sind haeufig Depressionen aufgrund der Krankheit sowie Nebenwirkungen durch die Medikation (Symptome wie Schwindel, Schlafstörungen und Alpträume, Stimmungsschwankungen, Wesensveränderungen und Suizidgedanken).

Als ein junges Maedchen zur Beratung kam, erfuhren wir, dass sie in einem Heim fuer Menschen mit dem HI-Virus lebt. Unser Interesse war damit geweckt. Also besuchten wir zwei dieser Heime.
Das eine ist speziell fuer HIV- Patienten die medizinische Betreuung benoetigen, das andere ist auch fuer Lepra-Patienten und Strassenkinder.

Leider ist das Lenkrad auf der anderen Seite...



Was ziemlich cool war, war dass wir in einem riesigen Krankenwagen dort hingefahren wurden.


Auch hinten hat man maechtig Platz (Resi mit unserer Mit-Praktikantin Eliza)



Hier sind wir in der Einrichtung fuer Lepra-, HIV-Patienten und Strassenkinder. Das Gelaende erstreckt sich auf ueber 25ha und ist ein sehr idyllischer Ort. Ueberall Schmetterlinge und die Chipmunks. Eine kleine, knochige Schwester hat uns ein bisschen rumgefuehrt, bis der Pfarrer (Boss der Einrichtung) eintrudelte. Den Namen haben wir leider nicht im Kopf, aber er war ziemlich locker drauf.


Wir beim Posen mit der Schwester

Wir haben einige Patienten besucht. Die HIV-Patienten waren ausschiesslich Frauen. Sie haben sich sehr ueber unseren Ueberraschungsbesuch gefreut. Wir kamen zu der Ehre dass uns zwei Lieder gesungen wurden.

Ausserdem haben wir einen blinden Lepra-Patienten kennengelernt, der besondere Betreuung benoetigt.
Uebrigens faulen einem bei Lepra keine Koerperteile ab, sondern es ist vorallem eine Nervenkrankheit. Die Nerven sterben, das Blut verdickt sich und verstopft die Aterien, somit spueren die Betroffenen nichts. Deshalb verletzen dich die Betroffenen unbemerkt und stecken sich z.b. mit Tetanus an. Aufgrund der unbehandelten Entzuendungen muessen die Koerperteile dann oefter amputiert werden. Das Infektionsrisiko ist aber ziemlich gering.

Der nette Pfarrer hat uns ziemlich lange ueber das grosse Gelaende gefuehrt und Eliza hatte ganz schoen Bammel davor auf eine Schlange zu treffen.

Die Bewohner arbeiten auf dem Grundstueck und bauen Teakholz, Gemuese, Obst und Reis an. Das kommt den Patienten zu Gute, da sie normalerweise aufgrund ihrer Stigmatisierung keine Arbeit finden.

Zum Schluss waren wir noch bei den Strassenkindern. Viele von ihnen haben Eltern die sich aufgrund ihrer Erkrankung nicht kuemmern koennen. Andere werden von Sozialarbeiter aus Slums geholt.

Die Schulgebuehren bekommen die Kinder gestellt. Auch Kinder die nicht auf dem Gelaende wohnen koennen sich hier Geld fuer die Schule holen, wenn sie es sich sonst nicht leisten koennen. Die Schlugebuehren belaufen sich je nach Jahrgangsstufe zwischen 3,50 Euro und 13 Euro im Monat. Wer noch ein paar Euro locker hat... hier zahlt man auch keine geldschluckende Buerokratie!




Man achte auf den Hundeblick!

Es war echt schoen zu sehen, dass es solche Orte gibt.