Donnerstag, 21. November 2013

noch mehr aus der psychiatrischen Abteilung..


Letzte Woche ging es heiss her. Es schien als haette sich eine Zurechtweisung auf hoechster Ebene so langsam die Hierarchieleiter nach unten gearbeitet. Wir hatte die Ehre auf mehreren Stationen life dabei zu sein, wenn sich jemand seinen Anschiss abholte.

Hierarchien sind hier immer noch voll im Trend. Kasten spielen in Unternehmen oder Krankenhaeusern, zumindest hier im Raum Mumbai, keine Rolle aber das hierarchische Denken ist allgegenwaertig. Mal mehr bei denen mit Macht und mal mehr bei denen ohne Macht. So haelt bspw. Dr.Rakesh, Head of the department, das Aufspingen wenn er das Zimmer betritt fuer "the wrong way to show respect", andere wieder finden das ganz nett, schliesslich sind sie selbst lange genug gesprungen. Sei's drum, die Studenten und andere Angestellte lassen es sich sowieso nicht nehmen blitzartig die aufrechte Koerperhaltung einzunehmen, egal wie eindringlich sie aufgefordert werden sitzen zu bleiben. Da hilft hoechsten die Verlagerung des Koerpegewichts des Chef auf die Schultern dessen, der da gerade wieder dabei ist einen Blitzstart einzulegen. Unfaehig aufzustehen fuehlt sich dieser dann aber gar nicht wohl da unten und der unabdinbare Drang doch noch zu springen steht im ins Gesicht geschrieben.
Am Anfang haben wir versucht nach dem Motto "Tu in Rom was Roemer tun" auch mit aufzuspringen wenn der Boss die Tuer rein kommt. Aber nach einigen Verpassern unsererseit haben wir dann doch resigniert und bleiben nun, wie die Bosse selbst (hehe) einfach sitzen. Ist besser als immer verspaetet und als Letzter aufzustehen.

Der grosse Respekt vor den Vorgesetzten schuetzt den Chef aber nicht davor, dass ihm ein Student, nach dem Verzehr von ein paar Keksen, zaertlich die Kruemmel aus dem Bart pickt. Wer sichs traut kann es ja mal bei seinem Chef probieren...
Hier denkt man sich einfach nichts dabei. Der bei uns Westlern beliebte Radius von einem Meter, den man gerne eingehalten sieht, den gibt es hier nicht.

So ist es auch normal das Koerperkontakt da besteht wo wir Westler ihn nicht gewohnt sind. Haendchenhalten zum Beispiel ist hier unter Maennern Volkssport. Hier halten alle Haendchen, Freunde, Wachmaenner usw. Man muss nicht lange warten, dann kommen wieder zwei eng umschlungen an einem vorbei flaniert. Auch beim Schwaezchen halten, da legt der eine dem anderen die Hand aufs Bein, legt den Arm um die Schultern. Freundschaften wirken insgesamt viel intimer. So ist es auch nicht selten, dass Patienten zur psychologischen Konsultation mit ihrem besten Freund kommen (das nenn ich mal Vertrauen!). Dies ist aber auch leider eine Konsequenz davon, dass Maenner und Frauen meist nicht so dicke sind. Es wird ja schliesslich mehrheitlich geheiratet, wen die Familie auserkoren hat und nicht der Kanditat, mit dem man so toll ueber alles reden kann ...

Maennerfreundschaft in Indien (Foto haben wir aus google, ist aber trotzdem scheen!)

So, zurueck zur psychiatrischen Abteilung: Insgesamt gibt es hier vier Psychiater, zwei Psychologen, den Chef und viele Studenten, die hier waehrend ihres Masters arbeiten.

Das hier ist ein Teil der Crew: Drei der Psychiater und der Big Boss Dr. Rakesh (der Herr in der Mitte).


Dr. Rakesh arbeitet neben dem MGM Kamothe noch in einer Privatklinik (MGM Vashi), hat zusaetzlich noch seine eigene Praxis und unterrichtet als Professor - er ist also gut beschaeftigt!!


Uebrigens ist MGM die Abkuerzung fuer: Mahatma Gandhi Mission. 
Mahatma Gandhis Mission lautete:  “DELIVERING VISION THROUGH VALUES"




Manchmal haben wir die Moeglichkeit, die Psychiater mit auf die Intensivstation zu begleiten. Mirco wird es dort immer ganz anders und er mag die Besuche nicht so gerne wie ich...
Dort liegen haeufig Patienten mit Gehirnverletzungen die Verkehrsunfaelle hatten- Grusel!!!

Zu den Verkehrsunfaellen muss ich nochmal kurz was erwaehnen: Im Jahr 2006 gab es ca.106000 Verkehrstote. Kein Wunder, der Verkehr ist der totale Horror. Hier wird rechts und links und auf dem Mittelstreifen ueberholt, die Fahrbahnmarkierungen interessiert hier ueberhaupt keinen, genauso wie Tempolimit, Gurt- oder Helmpflicht (die "Durchsetzungsrate" von Helm- und Gurtpflicht betraegt 2/10). In jedem Taxi suche ich vergeblich nach einem Anschnallgurt, aber den gibt es einfach nicht- noch NIE konnte ich mich anschnallen. Die Leute hier machen ja auch Familienausfluege auf dem Motorrad, das heisst die Eltern fahren mit ihren drei Kindern auf einem Motorrad natuerlich ohne Helm und mit Flipflops. Sieht lustig aus, ist aber nicht mehr lustig fuer die Family, wenn sie von einer Rikshaw umgenietet werden.

Naja, jedenfalls finde ich die Besuche auf den Intensivstationen interessant. Hier wird geschaut was fuer Schaeden die Patienten davongetragen haben und wie die weitere Behandlung verlaufen wird. Die Angehoerigen werden, zumindest im MGM Vashi, dann auch zur Konsultation bei Psychologen geladen. Da wird geklaert wie sie mit der Sitautionen zurechtkommen. Ob sie sich die Verantwortung teilen, damit nicht einer alleine 24 Std beim Patienten bleibt und hinterher selbst zum Patienten wird. Ob es finanzielle Probleme gibt, ob sie Fragen zur Behandlung haben (damit sich sich nicht sorgen oder aufregen usw.). Ich muss sagen die Betreuung der Verwandtschaft ist vorbildlich, wenn auch nicht Standart.


In einem Behandlungsraum im Krankenhaus haben wir eine Elektrokrampftherapie-Vorrichtung entdeckt und waren schwer begeistert! Leider gab es bis jetzt keinen Patienten bei dem wir die Therapie haetten testen koennen (wir geben die Hoffnung nicht auf) aber die Methode ist wirklich interessant.

Man kennt diese Therapieform ja vorallem aus Gruselfilmen, diese Darstellung ist aber wirklich quatsch! Auch in Deutschland wird die Therapieform angewendet, sie ist sogar die erste Wahl bei z.B. wahnhaften Depressionen, schizoaffektiven Psychosen mit depressiven Verstimmungen oder bei Depressionen mit hoher Suizidalitaet.
Die Therapie verlaeuft unter Kurznarkose, Muskelrelaxation, Sauerstoffbeatmung und Zahnschutz. Es werden mit Stromimpulsen ein epileptischer Anfall ausgeloest. Tatsaechlich ist die EKT wirksam und erzielt Effekte, die mit Medikation nicht erreicht werden koennen.



Ansonsten ist die Stimmung in unserer Abteilung immer ziemlich gut (wenn grad keine Anschiss-Woche ist). Wenn mal keine Patienten da sind sitzen die Kollegen gerne zusammen, trinken Kaffee, halten ein Schwaetzchen und zeigen sich gegenseitig Fotos von ihren letzten Ausfluegen.

Hier haben die Kollegen gerade Spass mit Photoshop.
Auf einem Gruppenfoto fehlte eine Kollegin, mit Photoshop wurde sie einfach in das Bild gezaubert (unter viel gekichere und gealbere).






 
 
 















Mittwoch, 20. November 2013

Steffi und der indische Rassehund

Am Mittwoch haben wir Steffi besucht. Steffi ist auch eine Psychologiestudentin und macht auch ein Praktikum im MGM Kamothe. Verwunderlich ist ihr Name, klingt gar nicht indisch. Sie gehoert dem christlichen Glauben an und bis jetzt waren die Christen die wir hier kennengelernt haben ziemlich modern, so auch Steffi.


Steffi wohnt in Vashi, direkt neben unserem Lieblingsrestaurant. Wir sollten sie anrufen wenn wir da sind, damit sie uns zu ihrem Haus leiten kann. Also riefen wir sie, wie abgemacht, bei Ankunft am Restaurant an.
45 Minuten und unzaehlige Telefonate spaeter sammelte sie uns dann doch, gottseidank, persoenlich ein. Ihr Haus liegt nicht direkt neben dem Restaurant, sondern nur 400 Meter weiter, aber das scheint, nach indischem Verstaendnis, direkt nebenan zu sein.


Steffi gehoert zu den wenigen Indern die einen Hund als Haustier halten: Scooby, ein durchgeknallter Cocker Spaniel. Obwohl es in Indien nur so von wunderschoenen Mischlings- Strassenhunden wimmelt, kommen die Inder nicht auf die Idee, so ein Huendchen zu adoptieren- Leider! Meistens sind es ueberfette Rassehunde die ihre Besitzer Gassi fuehren, nicht anders herum. Die Leute haben eine merkwuerdige Angewohnheit wenn sie mit ihrem Hund spazieren gehen: sie nehmen eine Rute mit. Wirklich jeder Inder den wir mit Hund gesehen haben, hat einen Stock dabei, falls Fiffi nicht hoert. Und das tun die Hunde hier wirklich nicht. Mirco hat schon eine super Geschaeftsidee: Hundefluesterer in Indien.

Scooby mischt den ganzen Laden zuhause auf. Oma und Papa von Steffi sind damit beschaeftigt den Hund ruhig zu stellen, obwohl Steffi immer behauptet Scooby sei muede. Auf uns machte Scooby den Eindruck eines ADHS-Patienten.


Scooby mag Resi


Resi freut sich ueber Scoobys Zuneigung


Ausserdem gibts in Steffis Haus auch noch Schildkroeten. Ich war total begeister, die Schildkroeten auch...



Uebrigens ist Steffi eine kleine Kuenstlerin- sie malt mit Oel-Farben. Hier ein Exemplar aus ihrem Fundus:





Samstag, 16. November 2013

Familienbande und ein Curry mit antidepressiver Wirkung


In einem vorherigen Beitrag, hatten wir ja schon die Bedeutung der Familie erwaehnt und dass sich aus dem engen Zusammenleben und der hohen Verantwortung und gegenseitigen Abhaengigkeiten viele zwischenmenschliche Probleme ergeben. Nachdem uns am Anfang also vor allem die Schwierigkeiten des engen Familienlebens ins Auge gestochen sind, werden nun auch die Vorteile evident. 

Familienbande


Auf der Strasse ist weggucken und "Fuenfe gerade sein lassen" ganz gross angesagt, dem engen Kreis der Familie, Nachbarn und Freunde hingegen fuehlt man sich sehr verpflichtet. Kommt man nach einem Schlaganfall nicht mehr alleine zurecht, besorgen die Nachbarn was zu Essen und fuettern einen, die Kinder schleppen den psychotischen Onkel zum Arzt und der beste Freund kommt mit zum Psychiater. Vielleicht ein bisschen idealisiert, aber der Trend ist zu erkennen.

Ein Vorteil, der sich fuer Psychiater und andere Aezte daraus ergibt, ist, dass sie sich bei der Anamnese oder anderen Patientengespraechen nicht alleine auf den Patienten verlassen muessen. Denn dieser nimmt natuerlich seine Medikamente regelmaessig, hat aufgehoert zu trinken und seine Kinder schlaegt er auch nicht mehr, seit dem er jeden Abend strikt seine Entspannungsuebungen macht. Ein weiterer Vorteil, und jetzt begebe ich mich menschenrechtlich auf duennes Eis, ist, dass Patienten, in der Mehrzahl Demenzpatienten, Patienten mit Schizophrenie und Bipolarer Stoerung, die Ihre Medikamente nicht nehmen wollen, diese einfach unter das Essen gemischt bekommen. Dies funktioniert vor allem bei den maennlichen Patienten gut, da es ja die Frau ist, die hier kocht. 

Menschenrechtlich ist das natuerlich nicht korrekt ... andererseits gibt es dafuer weniger Zwangseinweisungen. Und die bei uns ueblichen Fixierungen und Zwangsmedikationen mittels Depotspritze machen auf mich ebenfalls nicht den Eindruck, dass sie Menschrechtler zum froehlichen Tanzen bringen. Das eine ist eine offene, rechtlich legitimierte Gewaltausuebung durch Institutionen nach Beschluss durch eine qualifizierte Fachkraft, das andere eine verdeckte Verletzung der Selbstbestimmung. Wer hier was fuer richiger haelt muss jeder selbst wissen. Sollte ich mich irgendwann einmal in einer manischen Episode mit psychotischen Symptomen befinden und mich weigern Medikamente zu nehmen, weil ja alle anderen krank sind und nicht ich, waere es mir aus heutiger Perspektive auf jeden Fall lieber, Resi broeselt mir was unter das Essen, als dass mich Igor ans Bett knebelt und intravenoes ruhig stellt.









Freitag, 15. November 2013

Fanni's Slum

Seit letzten Mittwoch haben wir eine neue Mitbewohnerin, mit der wir nun unsere 2-Zimmer-Wohnung teilen ...

Eigentlich sollte sie schon Dienstag anreisen, hatte aber ihren Anschlussflug verpasst und musste eine Nacht auf dem istambuler Flughafen verbringen. Resi war dankbar hierfuer. Denn am Montag hatte sie sich etwas "ueberfressen" und lag Dienstag dann das erste Mal mit Bauchkraempfen und alles was so dazu gehoert flach. Da ist man schon froh sich nicht das Klo mit jemand Fremden teilen zu muessen...

Zurueck zur Mitbewohnerin: Fanni, 23 Jahre alt, aus Potsdam, eigentlich Kosmetkerin. Hier macht sie Freiwilligenarbeit in einem kleinen Slum.

Funni kocht in unserer Kueche

Sie ist total lieb und wir sind froh sie als Mitbewohnerin zu haben.


Am Mittwoch haben wir sie dann zum Slum begleitet. Also besser gesagt, wir haben sie mit einer Rikshaw eingesammelt, nachdem sie 3,5 Stunden versucht hat, den Slum zu Fuss zu finden...

Der Slum ist wirklich winzig und man koennte fast sagen idyllisch am Hang gelegen (wenn es eben kein "Slum" waere).





 
Eine NGO unterstuetzt mit Hilfe des Rotari-Clubs die Bewohner und ermoeglicht ihnen die Schule zu besuchen.

Als wir die ersten Schritte durch das Tor gingen, kam eine Horde kreischender Kinder auf uns zugerannt. Wir haben erstmal einen Schrecken bekommen, die Kinder waren aber freundlich gesinnt. Sie nahmen erst Funni total in Beschlag (sie ist mit einem Pulk von Kindern um sich herum vor uns her gestolpert), und danach uns. Also hatte dann jeder einen Haufen Kinder an den Haenden.






Funni singt mit ein paar Kindern
Wir wurden zu einer kleinen Huette gefuehrt, in der es nichts gab, ausser ein paar Plastikhocker. Die Kinder versammelten sich alle um Fanni und sangen dann mit ihr gemeinsam Lieder.

Funni kann ein bisschen Hindi sprechen (und singen), so kann sie sich ganz gut mit den Kindern verstaendigen und beschaeftigen.

Wir lehnten uns zurueck und genossen die ganze Performance.













Danach haben uns die Kinder noch ein wenig durch ihr Dorf gefuehrt. Sie waren wirklich goldig und nett!! Leider sprechen nur ein paar wenige Kinder Englisch und das mehr schlecht als recht, sonst haette ich gerne mehr ueber sie und das Leben hier erfahren.















Nightlife

Hier in Mumbai kann man wunderbar ausgehen. Eigentlich hatte ich die alberne Hoffnung, dass das Nachtleben wie in den Bollywood-Tanzszenen aussieht, diese Locations haben wir allerdings bis jetzt nicht gefunden. Also, die Clubs in denen wir gelandet sind, sind aehnlich wie bei uns- machen aber Spass!

Eine sehr schoene Adresse ist das "Aer" im Stadtteil Worli. Der Club befindet sich im 34. Stock des Four Seasons Hotels. Zu Gast ist hier groesstenteils internationales Publikum. Die Preise sind entspraechend hoch, ein Flaeschchen Bier ca. 6 Euro, Zuhause vorzugluehen ist also nicht die schlechteste Idee.


mit dem Fahrstuhl in den 34. Stock

 Der Himmel war leider nicht so lila wie wir nach Betrachten des Werbefotos gedacht hatten, aber der Ausblick war trotxdem einfach nur Woohhoow!!! Auf der einen Seite die Aussicht ueber Mumbai (je nach Wetterlage und Smog) und auf der anderen Seite aufs Meer (je nach Tageszeit).

Hier ein wunderbares Werbefoto

Das abgefahrene an diesem Ausschnitt der Skyline ist, dass sie nur ein absolut winzigen Teil der Stadt abbildet. Und da hier unter 15 Stockwerken gar nichts mehr gebaut wird und das meiste weit hoeher ist, ist die Skyline allgegenwaertig. Es ist gar kein Problem 2 Stunden in eine Richtung zu fahren ohne drauf verzichten zu muessen.




Ein anderer, eher lockerer Club, ist das "Bonobo" in Bandra. Der Kontrast von drinnen und draussen ist krass. Draussen schlafen die Leute auf dem Buergersteig und die Kleinsten betteln. Kaum steigt man aber in den Fahrstuhl zum Club, befindet man sich wieder in einer ganz anderen Welt. Nichts mehr zu sehen, von dem was da draussen vor sich geht, alles ist sauber und schick. Krass ist, wie schnell man umschaltet, in einen Moment noch betroffen und im naechsten damit beschaeftigt einen Cocktail auszusuchen...



Also im Club: Hier lief echt gute Musik. Wir bestellten Cocktails: ich war mutig und testete einen "Jalapeno-Oliven-Martini"... das war leider nicht die beste Wahl... Es schmeckte, als wurde der Martini mit scharfen Olivenwasser aufgefuellt...
Resi versucht sich am Jalapeno-Oliven-Maritini


Mirco bestellte Long Island Icetea, der bestand aber zu 75% aus Eiswuerfel. Mirco war schlau und bestellte sich den naechsten mit nur EINEM Eiswuerfel .. leider kam das Glas dann nur halbvoll...

Im Bonobo lernten wir sehr nette Franzosen kennen. Die drei Jungs arbeiten in einem franzoesischen Cafe; das Cafe Marie Antoinette. Sie bleiben voruebergehend fuer ein paar Monate und gehen dann zurueck nach Lyon.

Den einen Franzosen Jean-Baptiste haben wir dann ein paar Tage spaeter in dem Cafe besucht und uns einen koestlichen Cappuchino gegoennt...



Das letzte Wochenende sind wir mit unserer neuen Mitbewohnerin in die "Escobar" gefahren. Drinnen droehnte die Musik mit gefuehlten 135 dB, alle waren fleissig am Tanzen und Trinken, Konservativ musste draussen bleiben. Grossgewachsene, muskuloese Bollywoodanwaerter, wurden von kreischenden Frauen umringt und posierten ununterbrochen. Neureiche und Jene die ihr Monatsgehalt auf den Kopf hauen um so zu wirken, hingen in abgesperrten Lounges mit weissen Lederbezuegen rum und versuchten Frauen mit Drinks zu sich in den VIP-Bereich zu locken. Hier war wirklich nix mehr vom konservativen oder spirituellen Indien zu spueren, nach dem die meisten Touris hier suchen um ihre Klischees bestaetigt zu bekommen.


Manche Frauen hatten mega-knappe Roecke an und waren am Rauchen. Sowas sieht man normalerweise nie in Indien.

Der Club hat aber total Spass gemacht, wir haben die ganze Nacht getanzt und haben mal wieder Franzosen kennen gelernt (arbeiten in einer Bank).

Ausserdem wurden wir von ein paar netten Indern zu Drinks eingeladen, und noch mehr versuchten uns in die abgesperrten Bereiche einzuladen. Um der wahrscheinlichen Baggeroffensive zu entgehen haben wir aber abgelehnt.































Samstag, 9. November 2013

Mahalaxmi Dhobi Ghat und Banganga Tank

Am Sonntag haben wir mal wieder einen Ausflug nach Mumbai gemacht. Mumbai ist ja so gross, da braucht man echt Wochen um alles Interessante zu entdecken...

Eigentlich hatten wir vor ein paar Ziele von unserer "Das-muessen-wir-gesehen-haben-Liste" zu streichen, hatten aber schon vorher weise Zweifel ob das zu schaffen sein wird. Vor allem kommt andauernd wieder was hinzu.

Also Sonntag ... Wir wollten mit dem Zug kurz nach Mumbai reinfahren um uns von dort eine Rickshaw zu nehmen, die kurze Zugfahrt hat aber leider mit Umsteigen gute 2 Stunden gedauert. Weiss auch nicht... irgendwie braucht man hier fuer alles laenger. Distanz, Orientierung und Koordination sind da die Stichwoerter. Verheerend ist auch wenn man von eienr topografischen Darstellung der Karte des Eisenbahnnetzes ausgeht. Soll heissen, nur weil auf der Karte zwei Linien parallel nach unten verlaufen, heisst das noch lange nicht, dass sie das auch tatsaechlich tun, es koennte auch sein, dass eine nach Osten und die andere nach Norden verlaeuft. Der moechtegern ausgekluegelte Plan, wie wir am schnellsten ankommen, fuehrte uns dann also erst mal 45 Min in die komplett falsche Richtung, 45 Minuten um ungefaehr wieder da anzukommen wo es losging und noch mal eine halbe Stunde um dann endlich anzukommen wo wir urspruenglich hinwollten. Gewusst wie ...



Als wir endlich an unserem Zielort ankamen, nahm uns gleich ein netter Herr in Empfang. Der wusste wohl, dass die meisten Auslaender nicht in der Lage sind, die optisch gleichen Wagen erster und zweiter Klasse auseinander zu halten. So war es dann auch, dass wir nicht die einzigen Auslaender im Buero vom Chief Ticket Inspector waren. Wir waren auch nicht die einzigen die das ganz schoen schraeg fanden, nur so schoen rumgeschrien wie die anderen haben wir nicht. Eine anderes Paerchen und ein anderer Fahrkartenkontrolleur haben sich gegenseitig angeschrien, dass jeweils der eine aufhoeren soll den anderen anzuschreien ("don't raise your voice" ... "don't raise YOUR voice" ... usw.).

Die Beteuerung unserer Unkenntnis liess unseren Inspector leider kalt und er forderte umgerechnet 8 EURO fuer die unrechtmaessige Nutzung der 1. Klasse (wo wir hierfuer wunderbar drei Mal essen gehen koennten). Wir zogen es kurz in Erwaegung wegzulaufen, verwarfen diese Idee dann aber schnell, denn der "Big Boss" (so wurde er tatsaechlich von den Inspectoren genannt) war vermutlich der Zwillingsbruder von dem hier:

Big Boss der Railwaystation Dadar

 
Also zogen wir unseren Joker, Sudipta, unser "Coordinator". Geschickt wie sie ist, handelte sie den Inspector auf die Haelfte runter Wir zahlten und durften gehen!








Unser erstes Ziel war der Mahalaxmi Dhobi Ghat.
Das ist der weltgroesste "Open-Air-Waschsalon" in dem Mumbais Waesche (vorallem Hotel- und Krankenhauswaesche) von den sogenannten "Dhobis" gewaschen wird.



Der Waschsalon


Dhobis sind die Kaster der Waescher. Das Waschen gilt als unrein und somit gehoeren die Dhobis der unteren Kaste an (obwohl ja offiziell seit 1949 das Kastensystem abgeschafft wurde...).

Die Waesche wird in solchen steinigen Waschbassins, die reihenweise angeordnet sind, gewaschen. Wir sind dann mal ganz mutig ist diese merkwuerdige Welt reingedappt. Die Gassen sind sind mini-winzig und die Menschen sind emsig am arbeiten oder erholen sich vom emsigen Arbeiten. Die Leute wohnen auch dort, wie in einer eigenen kleinen Kommune (man konnte ab- und zu in eine der Haeuschen bzw. Zimmer mit Dach lunzen) Fotografieren darf man drinnen nicht, wir haben aber von oben ein paar Bilder gemacht.



Ein Dhobi waescht sich selbst


























Vor dem Mahalaxmi Dhobi Ghat konnten wir dann noch einer kleinen Performance zuschauen: eine sehr junge Seiltaenzerin (mit  Sonnenbrille...) die bestimmt ihren Traum der Seilartistin verwirklicht.






















Danach sind wir ueber einen Markt gestolpert. Viele der netten Herren waren damit beschaeftigt Ziegen, d.h. den Koepfen von Ziegen, das Fell ueber die Ohren zu ziehen. Nicht unbedingt der Superlativ der Aesthetik aber auf jeden Fall interessant zuzuschauen, zumindest fuer einen von uns beiden :-)


Wuergh...
Neben den Ziegenkoepfen und Huehnern und sonstigen Leckereien gab es noch einen Fischstand mit einer Badewanne voller welsartiger Geschoepfe und sonstigen Gefisch.

arme Fischis


Wir verzichten hier in Mumbai uebrigens lieber auf Fisch, spaetestens seit dem wir gesehen haben in welchen Kloaken hier ueberall gefischt wird. Von Mumbai nach Neu Mumbai faehrt man ueber die Vashi-Bridge die beide Staedte verbindet.. Leider ist die Bruecke zu lang, um die Luft den ganzen Weg ueber anzuhalten, denn die Bruehe da unten stinkt zur Hoelle, mal mehr und mal weniger bestialisch aber immer bestialisch. Nun ja, und da unten fahren dann kleine Boetchen lang und fangen die Surviver of the Fittest ein. Wie Fit man sein muss, damit man den Langzeitfischverzehr ohne gesundheitsschaeden ueberlebt und ob das ueberhaupt geht, darueber kann ich nur spekulieren.

ups ich schweife ab ...

also Sonntag - Ausflug - Mumbai

Nach der grossen Waschmachine sind wir dann weiter zu den reichen und schoenen in die Malaba Hills gefahren und haben den Bangangatank besichtigt, dieser ist Teil des Walkeshwar Temple Komplexes (Danke Wikipedia)






Mischung aus Badespass und ritueller Reinigung
























 
  
  
Der Legende nach, ist das Wasser in dem Becken aus dem Ganges: Gott Rama war furchtbar muede und durstig und bat deshalb seinen Halbbruder Lakshmana um etwas Wasser. Lakshmana schoss einen Pfeil in den Boden und sofort sprudelte Wasser aus dem Einschussloch und somit entstand ein ueber tausend Meilen langer Nebenfluss des Ganges. 

Jetzt wissen wir auch warum "Banganga Tank": Baan = Pfeil, Ganga = Ganges 






Waehrend unseren Rundgangs um den Tank, trafen wir auf einem Spielpatz auf eine Horde Kinder, die versuchten uns mit ihren akrobatischen Einlagen an einem Reck zu beeindrucken.

Resi hielt es nicht lange aus und beteiligte sich an den Kuensten, sehr zur Verwunderung der Kinder aber vor allem auch der Nachbarn ...














Danach ging es dann Bandra, das liegt ca. 15 Km noerdlich


Alleine der Weg dorthin war die Fahrt schon Wert. Unser Taxifahrer war sehr engagiert das Cafe zu finden. Also hat er immer wieder angehalten und andere Fahrer oder Passanten gefragt. Die haben sich dann auch einfach mal unser Smartphone (google maps) geschnappt, sind damit ueber die Strasse gedackelt um andere Passanten zu fragen usw.

Das schoenste war aber die Erfahrung, wie schoen es klingen kann wenn ein Inder versucht "Cafe Marie Antoinette" auszusprechen. Als wir unserem Fahrer beim ersten informativen Stop nochmal sagten wie der Laden heisst, hat er sofort, ganz selbstbewusst, einen Pasanten herangepfiffen und nach "Cafe Marieantetet" gefragt und dann ging die Stille Post der Pasantenbefragung los. Schliesslich war unser neues Ziel dann "Cafe Internet".

Also wir dann nach einigen Stops ankamen, war das Cafe leider zu. An Diwali feiern alle zu Hause, daher war wegen Gaestemangel geschlossen, erfuhren wir spaeter.

Also suchten wir uns eine Bar, der Abend wollte ja schliesslich noch nicht enden. So fanden wir uns ploetzlich vor "Totos Garage" wieder. Ein sadistischer indischer Geschaeftsmann hatte hier die Idee, viele gluecklich dreinschauende indische Maenner in orangene Latzhosen zu stecken, damit sie wie Automechaniker aussehen (sollen). Ihren Gesichtern war zu entnehmen, dass sie sich durchaus ueber ihr Erscheinungsbild im Klaren sind. Uns haben sie an Super Mario erinnert. Stattgefunden hat das Ganze in einer Kulisse, die einer typischen Rockerkneipe nachempfunden ist, es hatte eine wenig Tarantino-Flair. Mit das Ueberraschendste war aber: es gab gezapftes Bier, wow, da haette man wahrscheinlich Tage mit Suchen verbringen koennen, gluecklicher Zufallsfund.



Mittwoch, 6. November 2013

Besonderheiten der Psychologie in Indien

So, hier noch ein paar kleine Geschichten und Infos zum Praktikum:


In Indien wird, im Gegensatz zu Deutschland, noch oefter der Rorschachtest, verwendet. Es werden aber keine Urteile alleine aufgrund dieses Tests gemacht, sondern er wird meist als Teil einer ganzen Testbatterie verstanden, quasi als "opener". Meist wird er zusammen mit dem TAT erhoben, aber dazu geich.

Fuer alle Nicht-Psychologen: Der Rorschachtest ist ein "projektiver" Persoenlichkeitstest und ist ziemlich umstritten. Hierbei werden dem Probanden zehn verschiedene Tintenkleckstafeln gezeigt und dieser soll erklaeren was er in dem Bild erkennt. In den USA wird der Test auch noch haeufig benutzt und traegt wichtige Entscheidungen mit, z.B. ob Gewalttaeter freikommen etc.


 Hier zwei Beispiele...
Was erkennt ihr??













Ich war jedenfalls hellauf begeistert als dann tatsaechlich dieser "Kult-Test" bei einer jungen Patientin angewendet wurde... Sie war allerdings selbst Psychologiestudentin  und das hat uns dann doch etwas stutzig gemacht, da sie den Test und die Auswertungsschritte mit Sicherheit kennt. Also wenn die eine Psychopathin gewesen waere, haette sie das mit den "richtigen Antworten" sicher verstecken koennen...



Ein anderer wunderbarer Test ist der TAT (Thematischer Apperzeptionstest) der auch bei dieser Studentin angewendet wurde. Hier werden Bilder gezeigt und der Proband soll zu den Bilder eine Geschichte erzaehlen. Hier ein Beispielbild:

Und das war wirklich sehr interessant (diesen Test kannte die Studentin wohl nicht), denn man konnte direkt erkennen wo ihre Probleme lagen...









Diese Projektiven Verfahren sind halt nicht objektiv was die Auswertung und die Interpretation angeht. Wir finden diese Verfahren aber furchtbar spannend!





Was uns auffaellt bei den Therapiesitzungen ist, dass, anders wie in Deutschland, nicht das Individuum im Mittelpunkt der Therapie steht, sondern die ganze Familienstruktur mit einbezogen wird. Und das nicht nur theoretisch sondern oefter sitzen die Eheleute, Eltern oder Kinder mit in der Therapie und werden auch direkt mit einbezogen.

In einem Fall kam ein Ehepaar zur Therapie weil die Frau vermutete, dass ihr Mann sie mit anderen Frauen betruegt. Der Mann sass die ganze Zeit lachend neben ihr ( er fand das wohl alles so absurd... und ich fand das etwas unpassend) waehrend sie sich immer mehr in Rage redete. Die Therapeuten versuchten die Frau zu beruhigen und schickten sie zum Schluss aus dem Zimmer raus um dem Mann zu erklaeren wie er das ganze nun angehen soll: Dr. Jioschi (der eine Psychotherapeut) fragte den Mann "was kannst du tun, wenn du durch einen Canyion laeufst der von einem grossen Steinbrocken versperrt wird an dem du nicht vorbeilaufen kannst? Nach allerlei raten auch unsererseits kam als Antwort "Du musst wachsen, damit der Steinbrocken klein wird". Der Mann soll lernen mit der "Krankheit" der Frau umzugehen, damit er darueber steht. Wir fanden dieses ansehliche Beispiel sehr schoen von Dr. Joschi, allerding fragten wir uns nun, was, wenn der Mann seine Frau wirklich betruegt und sie sich das gar nicht einbildet. Dr. Joschi meinte nur, dass man das nicht wissen koenne... darum gehe es aber auch nicht, sondern darum, worauf ihre Annahmen basieren (und diese Annahmen hatten wohl weder Hand noch Fuss).

Die Frage danach, ob die beiden ueberhaupt noch zusammen sein wollen (sei es weil er sie betruegt oder weil sie ihm einfach nicht trauen kann oder weil sie ihm grundlos die Hoelle heiss macht und paranoid ist u.s.w. ) wurde ueberhaupt nicht gestellt. Hier merkten wir, dass etwas ganz entscheidend anders laeuft als bei uns in Deutschland: Es kam hier gar nicht in Frage rauszufinden ob das mit den beiden noch passt. Die Ehe muss irgendwie funktionieren!





Ein ganz aehnlicher Fall: eine junge Frau wird von Schwiegermutter beschuldigt fuer dem Tod ihres Schwiegeraters verantwortlich zu sein. Dieser ist am Alkoholismus gestorben. Die junge Frau wollte sich das Leben nehmen, indem sie Gift trank, konnte aber gerettet werden.

Auch hier kam es nicht in Frage in der Therapie einen Umgang mit dem Geschehenen zu finden und es in Betracht zu ziehen sich erstmal von zu Hause zu distanzieren (da sie ja Schuld an dem ganzen Schlamassel haben soll), sondern ihr wurde gesagt, dass sie keine Verantwortung fuer den Tod habe, aber zurueck soll in das Haus ihrer Schwiegermutter. Sie sei in der Verantwortung sich um um die Schwiegermutter zu sorgen. WAAAATT??? (hab ich nur gedacht) 

Wenn sie weinen muesse, solle sie das noch in der Therapiesitzung machen, aber wenn sie den Raum verlasse solle sie stark sein...

Das ist ja mal wirklich ganz was anderes. Aber eine sehr interessante Weise die kulturellen Unterschiede zu erkennen. Hier herrscht das Credo der Joint Family: Die Familie ist die kleinste Einheit des sozialen Gefüges, nicht das Individuum.


Uebrigens ist, laut unserem Chef, die haeufigste Selbstmordmethode hier in Indien Pestizide zu trinken... brrrr!




Das tut jetzt zwar nix zur Sache aber was ich noch loswerden wollte: ein Patient wurde mal nach seinem Musikgeschmack gefragt, er meinte dass er Rock gerne hoere, seine Lieblingsband sei "Tokio Hote".
Klasse!!

Tja, diese verrupften Typen haben es sogar bis nach Indien geschafft und in der GALA war sogar ein Artikel dass sie nach Indien auswandern wollen... oh mein Gott!!! Die armen Inder!

Neeeeeeiiiiiinnnnnn!!!